Eine Königin wird 50 -
Festliches Konzert zum Orgeljubiläum

Am 21. Oktober 2018 gab es in der Gemeinde Borna ein Konzert und ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm rund um die Orgel. Anlass war der 50. Geburtstag des größten und lautesten Gemeindemitglieds.

Wie Wasser in einem Bach fließen sanfte Töne aus der Trompete. Getragen wird der Klang vom stabilen Fundament der Königin unter den Instrumenten. Viele Bilder und Erinnerungen an die Jubilarin dürften den Gästen in diesen Momenten durch den Kopf gehen, während sie der verträumten Melodie des „Cantabile for you“ von Enrico Pasini lauschen.

Besonders zahlreiche Erinnerungen hat Detlef Rohr, „der viel Herzblut in die Orgel gesteckt und unzählige Stunden hier verbracht hat.“ Dem früheren Gemeindemitglied und Orgelbauer spricht Evangelist i.R. Udo Wickschrat bei seiner Ansprache zum Jubiläumskonzert einen ganz besonderen Dank aus. Ein Dankeschön geht auch an alle Orgelspieler, die in den letzten Jahrzehnten am Instrument geprobt, gespielt und Nachwuchs-Orgelspieler ausgebildet haben. Stellvertretend für sie alle sei Elvira Wickschrat genannt, die seit 50 Jahren fast durchgehend Organistin in Borna ist.

Gegrüßt werden darf auch ein besonderer Gast, die Tochter von Gerhard Kühn. Der Merseburger Orgelbaumeisters hatte die Orgel der Gemeinde Ende der 1960er-Jahre mit seinen Mitarbeitern errichtet.

Die Zuhörer erleben die Orgel in diesem Nachmittag in unterschiedlichsten Lautstärken und in ihrer ganzen Pracht. Unter anderem sind Werke von Johann Sebastian Bach, Dietrich Buxtehude, Johann Pachelbel und des Filmkomponisten und Chansoniers Joseph Kosma zu hören. Mit witzigen Geschichten und Anekdoten rund um die Orgel würzen die Moderatoren Larissa Schüler und Udo Wickschrat das musikalische Programm. Ein Höhepunkte ist eine Uraufführung in Borna: drei Organisten, die gleichzeitig am Instrument Platz nehmen. Anja Seifferth, Jens Petereit und Detlev Rohr spielen sechshändig ein Choralvorspiel zu dem Lied „Nun ruhen alle Wälder.“ Dazu wird sogar noch einmal die alte Orgelbank aufgestellt, die ebenfalls schon 50 Jahre auf dem Buckel hat.

Beim letzten Lied des Konzertes zeigt sich, dass die Orgel zwar inzwischen eine Königin im fortgeschrittenen Alter, aber keineswegs gebrechlich ist. Denn so schwungvoll wie bei dem Gospel „Down by the riverside“ hat man die Orgel sicherlich noch nie gehört. Im Zusammenspiel mit Klavier, Trompete und Saxophone liefert sie sich eine regelrechte musikalische Verfolgungsjagd durch ein Gewirr schnell nacheinander folgender Einsätze.  

Auch nach dem Konzert ist überall auf dem Kirchengrundstück noch „Orgelmusik“ zu hören. Denn im Mehrzweckraum wurde unter fachmännischer Anleitung fleißig  gehämmert, gesägt und geklebt. Herausgekommen sind kleine, hölzernen Orgelpfeifen, die die Kinder ausgiebig auf ihre Funktion testen. Bei der Orgelführung erfahren die erwachsenen Gäste außerdem noch viel Wissenswertes rund um das Instrument.

Im Jahr 1963 war die Orgel in Auftrag gegeben und 1968 errichtet worden. In einem Festgottesdienst wurde sie am 10. Oktober 1968 durch den damaligen Bezirksältesten Poege eingeweiht und von Priester Glass zum ersten Mal in einem Gottesdienst gespielt. Zwei Manuale, 20 Register und 1200 Pfeifen bilden seitdem den Stolz der Gemeinde. Die Orgel ist in jedem Gottesdienst und bei fast alle Gemeindeveranstaltungen zu hören. Und weil sich liebevolle Menschen ihre Pflege und Wartung angenommen haben, wird das wohl auch in den nächsten 50 Jahren noch so sein.